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New Morning 

Silvester. Ich begab mich in die Altstadt. Ich entfloh meiner selbst gewählten Einsamkeit. Es war wie immer. Ich hoffte eine Frau abzuschleppen, doch meistens blieb es beim Bier. Irgendwann nach Mitternacht landete ich in einer Junkie-Kneipe. Ich kam mit einer Frau ins Gespräch und wir tranken ein Alt nach dem andern. Das Lokal schloß.
„Komm, laß uns zu mir gehen“, schlug ich vor. In der Hoffnung sie hätte nun den Alkoholpegel erreicht, bei dem man sich willenlos seinem Schicksal ergibt, aber sie bekam den Hals nicht voll.
Sieh mal, die haben noch offen.“ Sie zeigte auf das gegenüberliegende Gebäude. Wir überquerten die Straße und kehrten in eine stinknormale, bürgerliche Kneipe ein. Wir stellten uns an den Tresen.
„Zwei Alt.“
Maria, so hieß meine neue Bekanntschaft, versuchte verzweifelt den Barhocker zu besteigen. Ich gab ihr Hilfestellung. Sie rutschte herunter. Ein neuer Anlauf. Ich hielt sie fest. Wir kippten unser Bier herunter.
„Noch zwei Alt!“ rief Maria in Richtung des Barkeepers. Kaum hatte sie die Bestellung aufgegeben, schwankte sie nach vorn und schlug mit dem Kopf auf die Theke. Ich schüttelte sie. „Komm hoch.“
„Ihr habt genug“, stellte der Barkeeper beiläufig fest.
„Wer sagt das?!“ giftete Maria.
„Ich!“ Der Barkeeper stützte sich mit beiden Händen auf der Theke ab und brachte seinen korpulenten fast zwei Meter hohen Körper eindrucksvoll zur Geltung. „Ihr habt genug, und ihr bekommt bei mir kein Bier mehr.“
„Was soll denn der Scheiß? Wir bezahlen!“ fauchte sie.
„Ist mir egal. Ihr habt doch gehört, was ich gesagt habe!“
Maria explodierte: "Was ist das für ein Scheißladen? Ich will mein Bier!"
„Verlaßt sofort das Lokal!“
„Komm, laß uns gehen.“ Ich hatte keinen Bock auf Streß.
„Wieso? Ich laß’ mich von dem Wichser doch nicht anmachen.“ - „Verschwindet!“
Ich zog Maria von dem Barhocker. Torkelnd machten wir uns auf den Weg. Marie drehte sich noch einmal um. „Wichser!!“ - „Raus!!!“
Wir verließen das Lokal, gingen einige Schritte, überquerten die Straße, stellten uns an den Straßenrand und warteten auf ein Taxi.
„Meine Scheiße...“, murmelte Maria, dann sank sie in sich zusammen. Ich versuchte sie aufzufangen, aber wir landeten beide in der Gosse. Ich rappelte mich auf, griff ihr unter die Arme.
„Komm.“ Ich zog Maria hoch. Mühselig kamen wir auf die Beine. Sie torkelte. Ich hielt sie fest. Ein Taxi kam. Wir fuhren zur Allee. Wir gingen hoch auf mein Zimmer.
„Wo ist das Klo?“
„Eine halbe Treppe höher.“
Ich zog mich aus und legte mich auf die Matratze. Maria kam wieder. Sie stand vor mir und zog sich aus. Ich bemerkte ihre Narben. „Was hast du denn da gemacht?“
„Da bin ich durch eine Scheibe gefallen“, sie schlug die Decke hoch und legte sich zu mir, „und hier hatte ich einen Unfall, und hier...“ Sie erzählte mir aus ihrem verrückten Leben. Sie führte das Leben einer Kriegerin. Ich gab ihr etwas Liebe und war der Überzeugung, ein gutes Werk zu tun... Am nächsten Morgen verabschiedete sie sich von mir.